Kurzdiskussionsbeitrag: Zusammenarbeit zwischen Jobcentern und Projektträgern
Eine gute Zusammenarbeit zwischen Projektträger und Jobcenter ist einerseits Voraussetzung für eine erfolgreiche Projektumsetzung und bietet andererseits den Jobcentern die Chance, aus den Erfahrungen im Projekt zu lernen und sich besser auf die Zielgruppe einzustellen.
Lösungsansätze,um eine gute Zusammenarbeit gestalten zu können:
Zunächst gilt es, Kommunikations- und Abstimmungsstrukturen zwischen Projektträger und Jobcenter zu schaffen. Neben anlassbezogenen Absprachen zwischen Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeitern kommt dabei dem Austausch auf strategischer Ebene eine besondere Bedeutung zu. So sollten in regelmäßigen Treffen (meist quartalsweise oder halbjährlich) zwischen Projekt- bzw. Trägerleitung und Bereichsleitung bzw. Geschäftsführung die strategisch wesentlichen Weichen gestellt werden. Themen, die bereits von Projekten verfolgt werden, sind u.a.:
- Reflexion der gegenseitigen Erwartungshaltung: Wann gilt das Projekt als „erfolgreich“?
- Kriterien der Teilnehmerzuweisung
- Prozesse zur Informationsvermittlung über das Projekt innerhalb des Jobcenters
- Freiwilligkeit der Teilnahme
- Welche im Projekt zu erarbeitenden Produkte können das Jobcenter bei einer besseren Ausrichtung auf die Zielgruppe unterstützen?
Zusätzlich wurde in diesen Runden in Einzelfällen bereits über die Nachhaltigkeit der Ansätze gesprochen und dabei insbesondere die Frage geklärt, unter welchen Umständen das Jobcenter bereit wäre, einzelne Module in die Regelförderung zu übernehmen. Neben Vermittlungsquoten können hier beispielsweise auch Übergänge in andere Maßnahmen oder eine größere Arbeitsmarktnähe (gemessen über die Kundengruppierung) als Erfolgsindikatoren herangezogen werden.
Auch die Jobcenter haben für sich schon die Teilnahme am Projekt bzw. die Kooperation bei der Projektumsetzung dafür genutzt, um Veränderungen in der eigenen Organisation anzustoßen. Hierzu gehört beispielsweise:
- Erweiterung des Wissens um die Bedarfe der Zielgruppe durch Informationsbesuche von Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeitern (z. B. Teilnahme an Teamsitzungen)
- Benennung und Schulung spezieller Ansprechpersonen für die Zielgruppe
- Einrichtung eines eigenen Teams für Alleinerziehende
- Bildung einer internen Jobcenter-Arbeitsgruppe zum Thema Alleinerziehende bzw. Teilnahme an kommunalen Netzwerken für die Zielgruppe
- Etablierung spezieller Informationsveranstaltungen für Frauen (teilweise auch mit Fokus auf Alleinerziehenden)
Die teilweise schon langjährig etablierte und inzwischen bundesweit eingerichtete Funktion der „Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt“ (BCA) wurde hier in einigen Fällen bereits als Potenzial erkannt und entsprechend genutzt.
Gute Ansätze aus der Praxis:
In manchen, von Jobcentern getragenen Projekten, haben sich eigene Teams für Alleinerziehende gebildet. In einem dieser Projekte mussten sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter intern bewerben, damit sichergestellt ist, dass tatsächlich solche Personen für die Betreuung und Vermittlung der Alleinerziehenden verantwortlich sind, die auch selbst der Überzeugung sind, dass sich Arbeit und Kind(er) vereinbaren lassen. Außerdem gibt es bei diesem Team im Jobcenter einen kinderfreundlichen Wartebereich mit Spielsachen etc. Neben guten Vermittlungsquoten im Projekt zeigt sich ein Erfolg dieser Struktur auch darin, dass dort viermal so viele Bildungsgutscheine ausgegeben werden wie in anderen Bereichen des Jobcenters.
Ein anderes Jobcenter bietet, als Kooperationspartner eines Projekts, regelmäßige Frauen-Infotage an, in deren Rahmen auch auf das Projekt hingewiesen wird. Darüber hinaus finanziert es die Teilzeitumschulung für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die das Projekt mit einer entsprechenden Empfehlung verlassen, und zwar unabhängig vom Alter der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Diskussion des Kurzbeitrages im Forum
Wir freuen uns auf Ihre Diskussionsbeiträge im Forum. Dort können Sie Ihre Anmerkungen und Beispiele ergänzen. Ebenso können Sie dort Ihre eigenen Erfahrungen in der Arbeit mit der Zielgruppe schildern oder auch konkrete Fragen stellen.
