Daten und Fakten
Alleinerziehend in Deutschland
Haushalte, in denen nur ein Elternteil mit einem oder mehreren Kindern unter 18 Jahren zusammen lebt, machen inzwischen fast ein Fünftel aller Familien in Deutschland aus (19%). Insgesamt sind 1,6 Mio. Frauen und Männer in Deutschland allein erziehend - neun von zehn sind weiblich. In den neuen Bundesländern leben mehr Alleinerziehende, hier machen sie einen Anteil von 26% aller Familien aus, während es in den alten Ländern 17% sind. In größeren Städten gibt es mehr Alleinerziehende. Die meisten Alleinerziehenden sind älter als 35 Jahre (68%), nur wenige (6%) sind unter 25 Jahren. Der Anteil der Alleinerziehenden an den Familien steigt stetig an und hat in den vergangenen zehn Jahren um fünf Prozent zugenommen.
Insgesamt wächst jedes sechste Kind in einem alleinerziehenden Haushalt auf, das sind etwas mehr als zwei Millionen Kinder. In zwei von drei Familien mit nur einem Elternteil lebt ein Kind, nur sechs Prozent der Alleinerziehenden haben mehr als zwei Kinder. Jedes dritte Kind, das bei seinem weiblichen Elternteil aufwächst, befindet sich im Vorschulalter. Bei allein erziehenden Vätern leben nur sehr selten Kleinkinder. Kinder im Alter zwischen 10 und 18 Jahren machen den größten Anteil in allen Alleinerziehenden-Haushalten aus.
Höheres Armutsrisiko trotz Erwerbstätigkeit - die soziale Lage Alleinerziehender
Was die formale Qualifikation betrifft, unterscheiden sich Alleinerziehende kaum von der übrigen Bevölkerung, vor allem im Hinblick auf die mittleren Bildungs- und Berufsabschlüsse. Erwerbstätig sind fast zwei Drittel aller Alleinerziehenden (62%), alleinerziehende Mütter gehen somit deutlich häufiger einer Beschäftigung in Vollzeit nach als Mütter in Paarhaushalten. Ist das Kind allerdings jünger als drei Jahre, gehen allein lebende Eltern seltener einer Arbeit nach. Der Wiedereinstieg ins Erwerbsleben nach der Geburt des Kindes dauert länger als bei Frauen in einer Partnerschaft.
Gut die Hälfte der Alleinerziehenden kann ihren Lebensunterhalt überwiegend von der eigenen Arbeit bestreiten. Alleinerziehende bilden trotz allem die größte Gruppe unter den Bedarfsgemeinschaften (42%), also den Haushalten, die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II erhalten (sogenanntes Hartz IV). Jede(r) vierte berufstätige Alleinerziehende bezieht Arbeitslosengeld II zusätzlich zum Einkommen. Insgesamt ist ein Drittel der alleinerziehenden Eltern zum größten Teil auf Leistungen für Erwerbslose angewiesen. Obwohl viele Alleinerziehende arbeiten, fehlt das zweite Einkommen bei den Ausgaben für die Haushaltsführung und den Unterhalt der Kinder, gerade wenn die Zahlungen des ehemaligen Partners ausbleiben, und sie können weniger Geld zurücklegen.
Im Vergleich zu Paarhaushalten ist das Durchschnittseinkommen von Ein-Eltern-Familien um die Hälfte niedriger und das Armutsrisiko höher. Dieses Risiko nimmt zu, je mehr Kinder im Haushalt leben, und umso jünger diese Kinder sind. Alleinerziehende mit mehreren Kindern unter drei Jahren sind häufiger auf Sozialleistungen angewiesen. Kinder- und Elterngeld, Wohngeld, Unterhaltsvorschüsse und andere staatliche Leistungen tragen dazu bei, das Armutsrisiko für Alleinerziehende und ihre Kinder zu senken.
Zufrieden, motiviert, aber unterstützungsbedürftig - so sehen Alleinerziehende ihr Leben
Wie Studien zeigen, ist mehr als die Hälfte der befragten Alleinerziehenden mit ihrem Leben im Allgemeinen zufrieden, was vor allem auf das Zusammenleben mit den Kindern zurückzuführen ist. Das geringere Durchschnittseinkommen schlägt sich darin nieder, dass die Hälfte der Alleinerziehenden ihre finanzielle Lage als unbefriedigend empfindet und ein Viertel angibt, sich sehr einschränken zu müssen.
Die Erwerbsmotivation allein lebender Eltern ist überdurchschnittlich ausgeprägt: Alleinerziehende wollen in der Regel arbeiten bzw. ihre Arbeitszeit erhöhen, das gilt auch für die meisten von ihnen, die Arbeitslosengeld II beziehen. Oft fehlt es aber an flexiblen Arbeitszeiten, Teilzeitangeboten und Betreuungsplätzen - mehr als ein Drittel wünscht sich ganztägige Angebote für ihre Kinder in Krippen, Kitas und Grundschulen.
Quellen- BMFSFJ: Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Alleinerziehende (2009)
- BMFSFJ: Familienreport 2010
- BMFSFJ: Alleinerziehende in Deutschland (Monitor Familienforschung 15/2008)
- Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Analytikreport der Statistik, Analyse des Arbeitsmarktes für Alleinerziehende, 2009
- Statistische Bundesamt / Mikrozensus 2009
